Das Alstertalmuseum


Bis 1957 waren die Sammelobjekte des Alstervereins aus Platzgründen an unterschiedlichen Orten deponiert – zumeist bei Mitgliedern. Mit dem Museum im Torhaus hatte der Verein erstmals die Möglichkeit, seine Sammlung dauerhaft einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Das Museum für Hamburgische Geschichte unterstützte den Alsterverein bei der Einrichtung. Wertvolle Hinweise kamen auch von Dr. Alfred Rust, der durch seine Ausgrabungen von Fundplätzen steinzeitlicher Rentierjäger im Tunneltal zwischen Hamburg und Ahrensburg bekannt geworden ist.

In der Folgezeit wurde immer wieder wissenschaftlicher Rat eingeholt, wenn es um die richtige Zuordnung und Datierung von Exponaten ging. Später richtete die Landesarchäologie einen Raum mit vorgeschichtlichen Fundstücken ein.
Zur Zeit wird anhand von alten Abbildungen, Zeichnungen, Fotografien und Karten die Geschichte von Wellingsbüttel, Hummelsbüttel und Poppenbüttel gezeigt. Bäuerliche Gerätschaften und Kleidungsstücke bilden weitere wichtige Bestandteile der Ausstellung. Der jahrhundertealten Geschichte der Lastschifffahrt auf der Oberalster ist ebenso ein eigener Raum gewidmet wie der Vergangenheit der ehemaligen Kleinbahn zwischen Wohldorf und Alt-Rahlstedt.

Unter den vorgeschichtlichen Funden nehmen die Schnittmodelle zweier großer Hügelgräber einen besonderen Platz ein.
Die ehrenamtliche Museumsleitung ist bemüht, weitere Exponate von historischem Interesse zu erwerben und angemessen zu präsentieren. Ähnliches gilt für die Bibliothek, deren Bestand nach Bedarf mit Neuanschaffungen ergänzt wird.

Die Entstehung des Museums


Die Anfänge einer musealen Sammlung zur Geschichte des Alstertals reichen bis in die Anfangszeit des Vereins zurück.
In dem Gründungslokal "Zur Alsterschlucht" wurden die ersten Exponate (z.B. Steinbeile, Tranlampen, Zinnkannen) in einem Schrank aufbewahrt. Schon früh stellte sich die Frage nach einer angemessenen Präsentation, denn die Sammlung wuchs schnell an. Auch ein zur Verfügung gestellter Raum im Gasthof erwies sich bald als zu klein.

Vereinsgründer Ludwig Frahm hätte sein „Museum des Alstertales“ am liebsten in einem alten niederdeutschen Bauernhaus untergebracht gesehen – vorzugsweise an seinem Wirkungsort Poppenbüttel. Doch dieser Wunsch war ebenso wenig zu realisieren wie die Nutzung eines alten Schleusenhauses oder gar die des Wohldorfer Herrenhauses als Heimatmuseum.

Schließlich bot sich ein passendes Gebäude an. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes von 1937 wurde auch das holsteinische  Dorf Wellingsbüttel an die Freie und Hansestadt abgetreten, und 1938 erwarb der Hamburger Staat das ehemalige Gut aus Privatbesitz. Die Behörden begannen mit Planungen, den Gutspark in einen „Volkspark“ umzuwandeln. Der Alsterverein war daran beteiligt, und Walter Frahm, Sohn des Vereinsgründers, forderte: „In eine solche Umgebung, wie sie das Gutshaus, das Torhaus und der Gutspark der Allgemeinheit bieten, gehört das Alstertalmuseum.“ Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges setzte dem Vorhaben zunächst ein Ende.

Jahre später wurde der Gedanke wieder aufgenommen, und nach der teilweisen Restaurierung des Torhauses konnte das Museum im Herbst 1957 eröffnet werden. Ausgestellt wurden vor allem Objekte aus der Vor- und Frühgeschichte des Alstertals, dazu kamen volkskundliche Exponate und bäuerliche Gerätschaften aus der Region. Nach dem Abschluss der Restaurierung des gesamten Gebäudes zog das Museum 1970 in den rechten Flügel um. Die dort zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten waren wesentlich besser für Museumszwecke geeignet.

Mit diesem dekorativen, von dem Hamburger Holzbildhauer Ernst Küster angefertigten und zunächst am Alsterwanderweg aufgestellten Hinweisschild warb das Museum in den ersten Jahren um Besucher. Heute ist es Teil der historischen Sammlung.

Das Torhaus Wellingsbüttel


Das Fachwerkgebäude stammt aus dem Jahr 1757. Bauherr war der adlige Gutsherr Theobald Joseph von Kurtzrock. Er war kaiserlicher Diplomat und Repräsentant der Thurn und Taxisschen Post in Hamburg. Das Torhaus, als dessen Architekt der Eutiner Hofbaumeister Gregor Greggenhofer gilt, war nicht nur repräsentatives Entree zu dieser klassischen holsteinischen Gutsanlage mit Herrenhaus, Pferdestall, Kornscheune und Kuhhaus, sondern ursprünglich auch integriert in den landwirtschaftlichen Alltag des Gutsbetriebes. Im linken Flügel befanden sich Pferdestallungen und eine Kammer für die Pferdeknechte (heute Vortragsraum) und im rechten Flügel waren die Wohnung des Großknechts sowie Landarbeiterwohnungen (heute Museum) untergebracht. Über der früher mit einem großen Tor verschlossenen Durchfahrt befand sich ein Kornboden.

1938 wurde das Gut Wellingsbüttel mit Herrenhaus und Torgebäude von der Hansestadt Hamburg erworben. Das Torhaus war zu dieser Zeit bereits renovierungsbedürftig. Nach 1943 diente das Gebäude ausgebombten Hamburger Familien als Unterkunft. In den Jahren nach 1952 wurde auf Initiative des Alstervereins und des Bürgervereins Wellingsbüttel mit der Renovierung des linken Gebäudeteils begonnen, mit der Absicht, das Haus einer kulturellen Nutzung zuzuführen. Der Lichtwark-Ausschuss und der damalige Wandsbeker Bezirksamtsleiter Achim-Helge von Beust  koordinierten das Projekt. Spenden aus der Bevölkerung des Alstertals und die finanzielle Förderung durch die Kulturbehörde unter Senator Dr. Hans Biermann-Ratjen ermöglichten nach anfänglichen Schwierigkeiten den Fortgang der Bauarbeiten. Am 27. Oktober 1957 wurde das Gebäude mit der Eröffnung des Alstertal-Museums der Öffentlichkeit übergeben.

Erst zwischen 1967 und 1973 wurde, auf Anregung des damaligen Hamburger Bürgermeisters Professor Herbert Weichmann, der rechte Flügel instandgesetzt.

Im Herbst 2007 feierten Alsterverein und Bürgerverein den 250. Geburtstag des denkmalgeschützten Torhauses, das als eines der schönsten Gebäude des Alstertals gilt. Die landschaftlich reizvolle Lage in unmittelbarer Nähe zum Alsterwanderweg verstärkt seine Attraktivität.

Das um 1750 entstandene Wandgemälde hing früher im Gartensaal des zur gleichen Zeit errichteten Herrenhauses Wellingsbüttel und zeigt eine Maskenballszene in höfischem Ambiente. Das Bild ist eines der wenigen erhaltenen Objekte aus der ursprünglichen Inneneinrichtung des Herrenhauses. 1940 wurde es, damals bereits stark beschädigt, vom Denkmalschutzamt sichergestellt und im Magazin der Hamburger Kunsthalle eingelagert. 1957 wurde es dem Alster- verein für sein neues Museum überlassen. Bei der Aufhängung wurde es erneut in Mitleidenschaft gezogen. Heute befindet es sich in der Bibliothek des Museums.

Lage & Öffnungszeiten


Öffentliche Verkehrsmittel:

S1, Station Wellingsbüttel, 10 Minuten Fußweg in Richtung Alsterwanderweg/Herrenhaus Wellingsbüttel

Öffnungszeiten:
Sonnabend und Sonntag 11-13 und 15-17 Uhr (sowie nach Vereinbarung)
Eintritt frei; Gruppenführungen (mit Voranmeldung): 40 Euro

Die Leiterin der Bibliothek, Frau Brigritte Dahmen,
erwartet Sie jeden 1. Sonnabend im Monat von 11.00 bis 17.00 Uhr in der Bibliothek des Alstertal-Museums.

Lage:

Alstertal-Museum im Torhaus Wellingsbüttel
Wellingsbüttler Weg 75 a
22391 Hamburg
Telefon 040 – 536 66 79